Aktuelle Zeit: 12. Dez 2017, 22:27

Tools:




27. März 2011
Das neue Forum ist online, von nun an findet ihr uns hier.

Regeln
Forums-FAQ
Support
vergebene Avatare
Gesuche
Gesuche
Profiles To Take

Handlungsgesuche
Storyline
Hoher Lord TarionNijamKelene
Lady MelayaLady YelenaLady Lilya
Wichtige Ereignisse

Im Augenblick finden keine
wichtigen Handlungen statt.
Während der letzten Monate sind immer mehr Menschen in Imardin verschwunden. Wenige Tage später wurden sie tot aufgefunden. Was geht hier vor sich?

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 7 Beiträge ] 
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Der Innenhof
BeitragVerfasst: 28. Dez 2010, 22:33 
Magierin der Kriegskunst
Magierin der Kriegskunst Benutzeravatar

Registriert: 06.2010
Beiträge: 26
Geschlecht: weiblich
Alter IG: nineteen
Stärke: 5
Lovelife: left && BROKEN
Zweiter Tag des ersten Monats im Jahr 715 nach Urdon
am Abend



Es war dunkel und eisig kalt, aber dennoch saß Lilya nur in einen Mantel gehüllt und mit einer schwach schimmernden Lichtkugel vor sich schwebend auf einer Bank beim Innenhof. Ihr Vorsatz für das neue Jahr war eigentlich recht schlicht, aber garantiert nicht einfach einzuhalten: Sie hatte sich vorgenommen, nie wieder an ihn zu denken, ihm nie wieder hinterherzutrauern und endlich ihr Leben zu leben, denn sie wollte nicht, dass ein Verflossener ihr inzwischen eingefrorenes Herz regierte und es nie wieder loszulassen schien.
Und trotz allem, trotz des ganzen Schmerzes und den Tränen, saß sie nun hier auf eben jener Bank, bei der sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte. Fast bildhaft konnte sie sich noch daran erinnern, wie sie sich auf diese Bank gesetzt hatte, mit einem Alchemiebuch in der Hand. Wie sie ihn zuerst nicht gesehen hatte und beschämt darüber gewesen war, da sie ihm als Novizin doch eigentlich den größten Respekt zollen musste. Und wie sie sich nach dem ersten Blick in seine wundervoll braunen Augen unsterblich in ihn verliebt hatte. Hätte ich damals schon gewusst, dass es so enden würde, dann hätte ich nie wieder ein Wort mit ihm geredet, um es nicht so unerträglich werden zu lassen.

Leise seufzte sie. Hätte sie in den vergangenen Monaten nicht gelernt, den fast unerträglichen Schmerz still schweigend in sich hineinzufressen, dann wären ihr nun Tränen die Wangen herabgekullert. Aber dieser Schwäche hatte sie schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr nachgegeben und das machte sie auf eine seltsame Art und Weise zugleich unheimlich stolz und auch zutiefst traurig.
Ich sollte wieder hinein gehen. Meine Hände schmerzen inzwischen schon unglaublich und in solchen Zeiten ist es nicht sonderlich klug, abends alleine draußen zu sitzen. Sie versuchte, vernünftig zu sein, aber trotzdem bewegte sie sich kein Stück. Vielleicht könnte ich Drystan auch noch einen Besuch abstatten. Das könnte ich jetzt gut gebrauchen. Ablenkung. Doch noch immer machte sie nicht die geringsten Anstalten, sich in Bewegung zu setzen. Aber ein paar Minuten kann ich ja noch bleiben. Und somit schlug sie die Beine übereinander, lehnte den Kopf so zurück, dass sie in den Sternenhimmel hinaufsehen konnte und schwelgte in bittersüß quälenden Erinnerungen.

_________________
Bild



 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Der Innenhof
BeitragVerfasst: 28. Dez 2010, 23:21 
Reisender
Reisender Benutzeravatar

Nachdenklich schlenderte Lord Tyron über das Gelände der Gilde. Vor wenigen Tagen war er wieder in Imardin eingetroffen. Vor nicht ganz 2 Jahren hatte er sich von der Stadt verabschiedet, um zurück in seine Heimat zu kehren und dort sein Leben von vorne zu beginnen. Und vor allem... um einige Teile seiner Geschichte hinter sich zu lassen. Doch schon sehr bald hatte der Magier feststellen müssen, dass es keineswegs eine gute Wahl gewesen war. Natürlich liebte er seine Heimat über alles und er verbrachte seine Zeit gerne dort. Aber etwas entscheidendes fehlte zu seinem Glück... etwas, dass er in Imardin gelassen hatte. Etwas, dass er wohl niemals zurück bekommen würde: sein Herz.
Allerdings war die Beziehung, welche er zu Lilya geführt hatte, alles andere als rechtmäßig gewesen. Und selbst, wenn sie den Segen von einigen wenigen Magiern gehabt hatten, so hätte es niemals gut für sie enden können. Und schon gar nicht mit den Umständen, die ansonsten noch geherrscht hatten. Seine ehemalige beste Freundin hatte den Hohen Lord geheiratet und ihm einen Sohn geboren... nur um Tyron dann zu sagen, dass es eigentlich sein Sohn war. Tyron war Vater! Er hatte einen Sohn. So sehr ihn die Tatsache an sich auch erfreute... so sehr brachte sie auch sein Leben durcheinander, denn es gab nur eine Frau, mit der er Kinder haben wollte... und das war nicht seine beste Freundin gewesen. Von all diesen Tatsachen erschlagen hatte der Krieger tatsächlich geglaubt, er würde seinen Frieden finden, in dem er einfach die Stadt und das Land verließ. Doch er hatte sich geirrt... All diese Tatsachen hatten ihn verfolgt. Jeden einzelnen Tag, jede einzelne Stunde.
Sein Leben in Vin war nicht mehr das gleiche. Nie konnte er sich an den fröhlichen Festen erfreuen oder an den Damen, die um ihn warben. Keine davon war für ihn von Interesse und allesamt wies er sie zurück. Er wollte sich nicht Ablenken, indem... nein, Tyron wollte gar nicht daran denken.
Als immer öfter die Kunde Vin erreichte, dass in Kyralia rätselhafte Morde passierten und auch schon Magier zum Opfer gefallen waren, wuchs seine Sorge immer weiter. Um seinen Sohn, um Yelena, um seine ehemalige Novizin Alyandara... aber allen voran... um Lilya. Jeder einzelne Gedanke endete immer wieder bei ihr...
So oft in den letzten beiden Jahren hatte er versucht, sie aus seinem Leben zu streichen... sie zu vergessen. Doch es gelang ihm nicht. Und damit hatte er sich eines Tages abgefunden. Lilya würde für immer ein Teil von ihm bleiben... wenn auch vielleicht einer, welchen er nie wieder sehen würde.

Die Nachrichten verschlechterten sich von Woche zu Woche und so hatte er nicht mehr lange gezögert und seine Sachen gepackt und zurück nach Imardin gefahren. Seine Ankunft dort war relativ ruhig verlaufen. Tyron war sich nicht einmal sicher, ob abgesehen vom Administrator überhaupt jemand seine Rückkehr bemerkt hatte.
Die letzten Tage hatte er damit verbracht, sich auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen. Natürlich wollte er so gut wie möglich helfen, diese Morde aufzuklären und hatte sich auch schon recht bald mit Lord Zion in Verbindung gesetzt... dem Oberhaupt der Krieger. Allerdings gab es für ihn im Augenblick nicht viel zu tun. Und so wanderte er unermüdlich über das Gelände der Gilde und versuchte - auf welchen Wegen auch immer - so viel wie möglich herauszufinden.
Auf einem dieser Wege kam er am Innenhof vorbei. Dicht am Dom - einer im Boden versenkten Steinkugel, wie es den Anschein hatte - blieb er stehen und hielt Inne. An diesem Ort hingen so viele Erinnerungen. Viel zu viele. Mit einer Hand lehnte er sich gegen den kalten Stein und atmete tief durch.
Erst Augenblicke später bemerkte er ein schwaches Leuchten auf der anderen Seite des Innenhofes. Zuweit weg, um ein Gesicht auszumachen. Allerdings konnte er deutlich rote Roben erkennen. Er beschloss hinüber zu gehen, vielleicht konnte er noch etwas herausfinden... oder einfach nur reden. Doch kaum, als er nahe genug war, um das Gesicht der Person zu erkennen, hielt er prompt wieder Inne... dummerweise befand er sich schon im Lichtschein, so dass er nicht einfach wieder umdrehen und gehen konnte... Lilya.
Ja, ihm war bewusst, dass sie bereits Magierin war... es hätte ihm bewusst sein müssen. Und doch war er nun überrascht sie in roten Roben vor sich sitzen zu sehen. Nachdem er sich sicher war, dass sie ihn bereits bemerkt haben musste, stand er immer noch wie angewurzelt da. Auf der einen Seite schien sein Herz vor Freude zerspringen zu wollen... auf der anderen Seite fühlte er sich einfach nur schlecht und verfluchte sich dafür, dass er nicht vorsichtiger gewesen war. Doch was hatte er erwartet? Dass er in die Gilde zurück kehren konnte und Lilya niemals begegnen würde? Zugegebenermaßen... wirklich darüber nachgedacht hatte er nicht.
"Lilya...", flüsterte er leise... denn mehr schaffte er nicht zu sagen.


  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Der Innenhof
BeitragVerfasst: 29. Dez 2010, 00:15 
Magierin der Kriegskunst
Magierin der Kriegskunst Benutzeravatar

Registriert: 06.2010
Beiträge: 26
Geschlecht: weiblich
Alter IG: nineteen
Stärke: 5
Lovelife: left && BROKEN
Die Schritte, die erklangen, wurden durch den frisch gefallenen Schnee zwar etwas abgedämpft, waren aber trotz allem noch deutlich zu hören. Und genau aus diesem Grund war Lilya sich auch sicher, dass es sich nicht um einen Feind halten würde - der würde sich nämlich wahrscheinlich deutlich lautloser über das Gelände der Gilde schleichen, als dieser andere Jemand es tat.
Etwas erschrocken über sich selbst musste Lilya aber wieder einmal feststellen, dass es ihr wohl egal gewesen wäre, wenn es einer dieser rätselhaften Mörder gewesen wäre. Sie würde sich verteidigen können, schließlich gehörte sie nicht unbedingt zu den schwächsten Magiern. Und selbst wenn das mit dem Verteidigen nicht funktioniert hätte, wäre es kein Drama gewesen. Ihr war inzwischen sowieso fast alles egal.

Es war merkwürdig, aber die abgedämpften Schritte erklangen nicht einfach nur stumpf in ihrem Kopf, sondern schienen einen Klang zu haben, der ihr irgendwie bekannt vorkam. Es war beinahe wie ein Dejavú... Als wäre genau das schon einmal passiert. Diese Tatsache brachte einen leicht fragenden Ausdruck in ihre Augen, aber trotz allem wandte sie sich nicht um. Höchstwahrscheinlich handelte es sich einfach nur um irgendein Hirngespinst. Und aus diesem Grund ließ sie den Blick weiter über den Sternenhimmel schweifen, wobei sie in ihm nicht dieselbe Schönheit wie früher sah. Es waren für sie einfach nur noch ein paar leuchtende Punkte im dunklen Himmel.

Die Kriegerin lauschte den Schritten, in der Hoffnung, dass sie sich bald von ihr entfernen würden, da sie ihre Ruhe haben wollte. Aber gerade dem war nicht so, was sie erneut ein bisschen stutzig machte. Die Person schien immer weiter auf Lilya zuzukommen... Und - zu Lilyas Bedauern - ganz in ihrer Nähe stehen zu bleiben. Genervt verdrehte sie die Augen, hob den Kopf und bevor sie überhaupt realisieren konnte, wer da vor ihr stand, entfuhr ihr ein eiskaltes 'Kann ich irgendwie behilf-'. Doch mehr kam ihr nicht mehr über die Lippen.

Die Zeit, die zuvor offenbar ganz normal verstrichen war, schien plötzlich stillzustehen und Lilyas Augen weiteten sich. Ja, dort stand wirklich jemand ganz in ihrer Nähe. Ein Mann, mit dem sie nie wieder gerechnet hatte. Der innerlich alles an ihr zerstört hatte. Und den sie so abgöttisch verehrte, obwohl sie ihn eigentlich abgrundtief hassen müsste für das, was er ihr angetan hatte.
Das, was während seiner Abwesenheit immer wieder und ununterbrochen stumpf geschmerzt hatte, schien nun qualvollst zu zerreißen. Ständig hatte sie daran geglaubt, wirklichen Kummer schon zu kennen, doch bei dem, was sie nun fühlte, entpuppte sich dieser Eindruck sehr schnell als dreiste Lüge. Der Schmerz presste ihr jegliche Luft aus der Lunge und für einen Moment dachte sie, dass sie in einem schwarzen Strudel verschwinden würde, der sie vor all den grausamen Eindrücken bewahren würde - aber dem war nicht so.

Die kleine Lichtkugel über ihr begann zu flackern, da es ihr einfach nicht gelang, die zerstörerische Unruhe in sich zu lindern. Doch trotz des flackernden Lichts erkannte sie sein wunderschönes Gesicht trotzdem. Er war so viel schöner als all ihre Erinnerungen an ihn es jemals sein könnten, doch gerade diese Tatsache raubte ihr beinahe den Verstand. Er war hier. In Imardin. Bei ihr.
Nach gefühlten zwei Jahren schaffte sie es, den Blick von ihm abzuwenden und ihn einfach steif auf einen Baumwipfel zu richten. Sein Anblick machte sie in diesem Moment ganz krank, also war es wohl die beste Lösung. Und auch, als er leise ihren Namen flüsterte, schien ihr Kopf an diesem Laut zu zerbrechen. Unbeholfen presste sie sich beide eiskalte Hände auf die Ohren und blickte weiterhin starr auf die schneebedeckte Baumkrone, während es ihr ein Kloß im Hals beinahe unmöglich machte, erneut nach Luft zu schnappen. "Tyron", murmelte sie nur leise und fast unverständlich, wobei ihre Stimme nicht mehr eiskalt war, sondern unglaublich verletzlich und ängstlich klang. Ihre Stimme zitterte und auch ihre Lippen begannen zu beben, was garantiert nicht an der eisigen Kälte lag, welche nun noch unerträglicher zu sein schien.

_________________
Bild



 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Der Innenhof
BeitragVerfasst: 29. Dez 2010, 01:47 
Reisender
Reisender Benutzeravatar

Das, was Tyron auf Lilyas Gesicht sah, sprach Bände. Keine Worte hätten es jemals ausdrücken können, was ihm diese Blicke alles erzählten. Die Gefühle, welche sie ganz offensichtlich von innen zu zerfressen drohten. Mit einem Schlag wurde ihm bewusst, was er ihr angetan haben musste... welche Qualen sie in den letzten Jahren ertragen hatte müssen. Sicher war ihre Situation insgesamt nicht sehr unterschiedlich... und doch hatte er sich damals freiwillig dafür entschieden, dies zu ertragen... Lilya war dazu gezwungen worden. Von ihm. ER war es, der sie dazu verdammt hatte zu leiden. Folter hätte vermutlich nicht schlimmer sein können. Nein... Folter wäre ganz sicher nicht schlimmer gewesen. Wahrscheinlich wäre es eine Erlösung gewesen.
Diese Erkenntnis hätte ihn nicht schlimmer und schmerzvoller Treffen können, als wenn ihm direkt jemand einen Dolch mitten in sein Herz gerammt hätte. Niemals war er sich so deutlich dieses Schmerzes bewusst gewesen, wie es war von Lilya getrennt zu sein, als jetzt, da er sie vor sich sah. Obwohl sie kaum eine Manneslänge voneinander getrennt waren, so schien es dennoch, als würden gerade Welten zwischen ihnen liegen.
In ihm zog sich alles zusammen, als er Lilyas Stimme vernahm, welche nichts mehr von einer starken, selbstbewussten Frau erahnen ließen, die sie einmal gewesen war. Die junge Magierin war gebrochen... er hatte sie gebrochen. Es war alleine SEINE Schuld. Kein Schicksalsschlag oder noch so schweres Los hätte einen Menschen dazu machen können. In ihm loderte das starke Bedürfnis einfach zu ihr zu gehen und sie in die Arme zu schließen. Dass sie aber ihren Blick von ihm abgewandt hatte, sagte genug, um ihm zu verstehen zu geben, dass es wohl keine so gute Idee war. Unschlüssig, was er tun sollte, verharrte Tyron weiterhin auf der Stelle und sein Blick war weiterhin an Lilya gefesselt.
Nach einer halben Ewigkeit nahm der Krieger all seinen Mut zusammen und ging auf Lilya zu, nahm ihre Hände und ging vor ihr in die Hocke. Ihre Finger waren eiskalt. Es war ein Wunder, dass sie noch keine Erfrierungen hatte... zumindest soweit er es im ersten Moment feststellen konnte. Ohne lange zu überlegen schloss er einen wärmenden Schild um sie beide. Egal wie lange es nötig sein würde... selbst wenn Lilya sofort aufstehen und weggehen würde oder ihn von sich treten würde... für wenige Sekunden wäre sie in einer wärmeren Umgebung gewesen.
Verzweifelt suchte Tyron nach den richtigen Worten... doch er fand keine. Er öffnete den Mund um etwas zu sagen, schloss ihn dann aber kurz darauf wieder. Dem Krieger wollte nichts einfallen, was er zu ihr sagen konnte. Alles, was er mit gebrochener Stimme und völlig tonlos über die Lippen brachte war: "Lilya, e.. e.. es tut mir so leid... ich dachte, es gäbe keinen anderen Ausweg."


  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Der Innenhof
BeitragVerfasst: 29. Dez 2010, 02:20 
Magierin der Kriegskunst
Magierin der Kriegskunst Benutzeravatar

Registriert: 06.2010
Beiträge: 26
Geschlecht: weiblich
Alter IG: nineteen
Stärke: 5
Lovelife: left && BROKEN
Immer weiter starrte Lilya auf die weiße Baumkrone, denn sie konnte und wollte den Blick nicht wieder auf dieses gottgleiche Geschöpf vor ihr richten, denn sie war sich nicht sicher, was es in ihr anrichten würde. Vielleicht würde sein Anblick ihr noch mehr schmerzen als vorher, vielleicht würde sie ihn treten und kratzen wollen, für das, was er getan hat. Vielleicht würden die Bäche an Tränen endlich einen Weg über ihre Wangen finden... Sie wusste es nicht und deshalb blieb sie in ihrer steifen Haltung und blickte einfach fort von ihm. Denn noch konnte sie sich dem ganzen einfach nicht stellen.
Kein Stück bewegte sie sich, da sie das Gefühl hatte, sonst auseinanderfallen zu müssen. Und würde es einmal soweit kommen, gab es wohl nichts mehr, was die Wunden heilen könnte. Nicht einmal die Tatsache, dass Tyron wieder da war... Ganz im Gegenteil: gerade das schien grausamer zu sein als seine gesamte Abwesenheit.

Sie fühlte sich so ohnmächtig, da die ganze Situation ihr immer weiter über den Kopf zu steigen schien. Was sollte die sagen? Wie sollte sie sich verhalten? Irgendwann musste sie etwas machen, schließlich konnte sie nicht für die Ewigkeit in der Eiseskälte sitzen - auch wenn sie sich in diesem Moment danach sehnte, da sie einfach nicht handeln konnte. Vielleicht weil es so ein Schock für sie war. Vielleicht aber auch, weil sie Angst hatte, einen riesigen Fehler zu begehen.
Und aus diesem Grund blieb sie weiterhin starr, fast wie eine Statue.

Dass Tyron auf sie zukam, war so unglaublich qualvoll und dennoch ein wunderschönes Gefühl. Die Nähe zu ihm bescherte ihr gleichzeitig die größten Schmerzen und die angenehmste Wonne, die ein Mensch sich vorstellen konnte und ganz benebelt von dieser Tatsache rebellierte sie nicht, als er nach ihren Händen griff.
Die Wärme, die von ihm ausging, war so wohltuend und als er einen wärmenden Schild um sie herum erschuf, fuhr ein angenehmer Schauer durch ihren Körper, wobei sie innerlich immer noch am Bluten war. Ganz vorsichtig und zart drückte sie seine Hände, wobei sie ihm genau im selben Moment am liebsten alle Knochen gebrochen hätte. Und noch im selben Moment wagte sie es, den Blick endlich vom Baum zu lösen und ihm in die Augen zu schauen. Sie konnte der Versuchung einfach nicht widerstehen... Egal, welche Folgen es für sie haben würde.

Beinahe nach Nähe lächzend nahm Lilya Tyrons Hand und legte sie ganz vorsichtig an ihre Wange. So sehr hatte sie es vermisst, ihm derartig nahe sein zu können. Und dennoch leiste ein Teil in ihr beharrlich Widerstand gegen diese Gefühle.
Bei dem erneuten Klang seiner Stimme schloss sie die Augen und drückte seine Hand, wobei sie unterschwellig spürte, wie der Deich in ihr langsam zu brechen drohte. Zwar genoss sie es, bei ihm zu sein, aber gleichzeitig war sie wütend, verletzt und vor allem nach wie vor einsam. Sie hatte Angst und vor allem hatte sie Angst davor, was bald passieren würde. Sie wollte nichts Falsches machen, aber gleichzeitig wurde ihr immer klarer, dass sie kein Blatt vor den Mund nehmen würde. Und dass die Tränen unweigerlich darauf warteten, endlich ihren Weg zu finden.
"Es gab Auswege. Viele sogar." Sie flüsterte. "Und du entscheidest dich für den Unmenschlichsten." Sie wollte ihm keine Vorwürfe machen. Aber es schien ihr einfach so über die Lippen zu kommen. "Für den, der das Potential hat, uns beide auf ewig auseinander zu bringen."

_________________
Bild



 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Der Innenhof
BeitragVerfasst: 30. Dez 2010, 02:13 
Reisender
Reisender Benutzeravatar

Fast schon war Tyron erleichtert darüber, dass Lilya ihn nicht gleich wieder von sich stieß. Aber wohl fühlte er sich nicht bei dieser Sache. Er war damals davon überzeugt gewesen, dass Lilya eines Tages über ihn hinwegkommen würde und dass sie ein neues Leben beginnen würde. Das, was er nun vor sich sah, schockierte ihn zutiefst und in ihm lag das tiefe Bedürfnis seinen Fehler wieder gut zu machen... nur dass er das nicht konnte. Er hätte dafür die Zeit zurück drehen müssen und auch, wenn er ein Magier war: das lag nun wirklich nicht in seiner Hand. Er hätte sich damals anders entscheiden müssen. Doch dass wusste er erst jetzt, da er all diese Erfahrungen gemacht hatte. Würde also die Zeit zurück gedreht werden und somit auch dieses Wissen wieder verschwinden, dann würde er vermutlich die gleiche Entscheidung wie damals treffen. Es war zu dieser Zeit einfach das Richtige gewesen. Welche Folgen das hatte, war nicht abzuschätzen gewesen.
"Zu jener Zeit konnte ich sie allerdings nicht sehen. Ich musste eine Entscheidung treffen, welche für uns alle Konsequenzen hatte, aber welche vermutlich auch tragbar waren... das es so enden würde konnte ich nicht abschätzen. Es tut mir so leid, Lilya.", erklärte er leise.
Ob sie es verstehen würde, wusste er nicht. Sie war die Hauptleidtragende, das war klar. Und dass er sich ihr gegenüber völlig falsch und niederträchtig verhalten hatte, ebenso. Allerdings wünschte er sich auch, dass sie seine Lage etwas nachvollziehen konnte. Jedoch war das wohl zu viel verlangt. Nach allem, was er ihr angetan hatte. Nicht ein einziges Mal hatte er sich bei ihr gemeldet, als erin Vin war... obwohl... das stimmte so nicht ganz. Jeden Tag hatte er einen Brief an sie geschrieben... er hatte sie nur nie abgeschickt. All diese Briefe lagen nun irgendwo in seinem Quartier, wo sie vermutlich niemals gelesen wurden. Allerdings wollte er sie auch nicht verbrennen. "Eines musst du mir glauben... ich bin nicht gegangen, weil ich uns auseinander bringen wollte... sondern weil ich weggelaufen bin... vermutlich am meisten vor mir selbst."


  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Der Innenhof
BeitragVerfasst: 30. Dez 2010, 23:56 
Magierin der Kriegskunst
Magierin der Kriegskunst Benutzeravatar

Registriert: 06.2010
Beiträge: 26
Geschlecht: weiblich
Alter IG: nineteen
Stärke: 5
Lovelife: left && BROKEN
Tyrons Worte ergaben zwar Sinn und Lilyas Verstand wusste auch, dass sie absolut der Wahrheit entsprachen, doch ihr Herz schien es nicht zu verstehen und auch nicht in der Lage zu sein, diese Entschuldigung zu akzeptieren.
„Ich wusste, dass es dazu kommen würde, Tyron. Und deshalb habe ich gebettelt und gefleht, dass du nicht verschwinden sollst, aber du hast mich nicht einmal richtig angehört. Du bist einfach gegangen.“ Sie sprach ganz leise und noch immer war in ihrer Stimme eine Mischung aus Angst und purer Verzweiflung zu hören. Der Blick, den sie ihm zuwarf, war gleichzeitig unheimlich liebevoll und dennoch verletzt. „Weißt du, was für ein grausames Gefühl es ist, wenn man von der Person, die man auf der Welt am meisten liebt, verraten und zerbrochen wird? Wenn einem mit wenigen Worten der Boden unter den Füßen weggerissen wird und man plötzlich alles verliert – sogar den Glauben an eine schöne Zukunft?“

Fassungslos starrte sie ihn an und ein bisschen erschrocken über sich selbst musste sie feststellen, dass ihre Stimme immer lauter geworden war. Sie wollte ihn gar nicht anschreien, schließlich liebte sie ihn und irgendwie war sie ihm auch unglaublich dankbar, dass er wieder zurückgekommen war. Aber dennoch ließ sich das Chaos in ihrem Inneren nicht bezwingen. Sie war verzweifelt, verletzt, wütend und unheimlich verliebt zugleich. Damit konnte sie in diesem Moment nicht umgehen. „Wir hatten Pläne. Du hast mir so viel versprochen: eine Hochzeit, Kinder, Reisen. Kannst du dir vorstellen, wie schmerzhaft es ist, wenn all das innerhalb weniger Sekunden einfach zerbricht? Wenn man weiß, dass man all dies ohne dich niemals kriegen wird?“

Während die junge Kriegerin gesprochen hatte, war ihr gar nicht aufgefallen, dass sie sich erhoben und Tyrons Hände losgelassen hatte. Ihr widerstrebte es, jetzt bei ihm zu sein, denn die Nähe zu ihm verwirrte sie ungemein. Doch gleichzeitig wünschte sie sich nichts sehnlicher, als erneut seine zarten Berührungen spüren zu dürfen und sich endlich wieder von ihm geliebt zu fühlen.
„Aber weißt du, was am schlimmsten ist? Jetzt hier zu stehen und nicht zu wissen, was ich machen soll, was ich sagen soll und ob das mit uns jemals wieder das selbe sein kann. Nach allem, was passiert ist.“ Inzwischen war ihre Stimme wieder leiser geworden, der Klang der Verzweiflung hatte nun aber wieder deutlich Besitz von ihr ergriffen. Lilya spürte, wie ihr Augen brannten, doch hielt sie die Tränen blinzelnd zurück. So lange war sie stark gewesen, so lange hatte sie sich nicht zu dieser erbärmlichen Schwäche hinreißen lassen. Also würde es jetzt auch nicht dazu kommen. Zumindest hoffte sie es, wobei sie sich unterbewusst bereits sicher war, dass sie diese Hoffnung nicht lange aufrecht erhalten konnte.

_________________
Bild



 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 7 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


 Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  


Anderwelt be famous
 
cron